Die Salettiner-Kongregation ersucht Regierungschef Josef Hoop um Fürsprache bei Fürst Franz I. und der Gemeinde Balzers für die Begründung einer Niederlassung auf Gutenberg


Schreiben der Verwaltung der Salettiner-Missionsanstalt Untere Waid, gez. Pater J. Imhof, an Regierungschef Josef Hoop[1]

6.11.1934

Sehr geehrter Regierungschef!

Wie Sie aus der Abschrift eines Briefes aus der Bischöfl. Kanzlei ersehen können [2], würde es der Gnädige Herr von Chur [Bischof Laurenz Matthias Vincenz] begrüssen, wenn das Institut "Gutenberg" in Händen gleichgesinnter Leute bleiben würde, wie es seit Jahren war. [3]

Wir sind überzeugt, dass der Wunsch des Fürsten von Liechtenstein [Franz I.] nur der sein kann, dass dieses Haus auch weiterhin einem ähnlichem Zwecke dient wie der für den es ursprünglich gegründet worden ist und dass er es nur ungern sehen würde, wenn die Liegenschaft in der Nähe der Pfarrkirche von Balzers, die neu und prächtig ist und für die er so fürstlich beigetragen hat, in Hände Andersgläubiger [4] käme. [5] Auch die grosse Mehrheit der Einwohner der Ortschaft befürchtet diese Wendung, wie es eine vor kurzer Zeit vorgenommene Abstimmung ganz deutlich beweist.

Wir sind nun für die Mietung oder den Ankauf dieser Liegenschaft angegangen worden und wir würden sicher gerne unser Möglichstes tun, um den Wünschen des Gnädigen Herrn nachzukommen und dazu beizutragen dass, wie Prälat Höfliger sagt, "Durch unser Kommen die verquickte Situation in Balzers zu einer glücklichen und friedlichen Lösung geführt werden könnte."

Nur haben wir es leider mit einem Gegenpartner zu tun, dem jedenfalls die Hilfe aus den Zellen Englands und Amerikas nicht fehlt und der um jeden Preis in Liechtenstein sichern Fuss fassen will. Deswegen sind wir vor Preise gestellt, die nach unserem Dafürhalten den heutigen unsicheren Wirtschaftsverhältnissen wenig entsprechen und wir fürchten, dass auch unsere Generaloberen nicht der Meinung waren, dass wir unter solchen Bedingungen das Unternehmen wagen sollten.

Der Platz gefällt uns sonst und der Wunsch des Gnädigen Herrn von Chur ist für uns fast ein Befehl. Wenn man uns die gleichen Bedingungen stellt, die die ehrw. Schwestern bis dahin hatten, und der H. H. Pfarrer [Leonhard] Hollweck glaubt, dass Sie beim Fürsten und der Gemeindebhörde mächtig dazu beitragen könnten, so sind wir fast sicher, von unseren Vorgesetzten die nötigen Genehmigungen zur Annahme desselben zu erlangen, und wir hoffen mit dem H. H. Kanzler, dass unsere Niederlassung für den Ort und das Fürstentum ein Segen wäre.

Das erste, was wohl zu tun wäre, wäre die Behörden von Balzers zu ersuchen keinen entscheidenden Schritt zu tun, bis Sie Herr Regierungschef mit dem Fürsten über die ganze Lage Rücksprache genommen hätten. Das Übrige würde sich dann mit der Zeit hoffentlich durchführen lasen. Und Sie hätten die Gewissheit, dass Sie zum Gelingen eines grossen guten Werkes den Weg gebahnt hätten, wofür nicht nur wir, aber auch viele andere stets dankbar sein würden.

In der Hoffnung, dass wir Sie mit diesem Schritt nicht zu sehr belästigen, ersuchen wir Sie, sehr geehrter Regierungschef, die Versicherung unserer vorzüglichen Hochachtung zu genehmigen.

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[1] LI LA RF 148/268/002. Handschriftlicher Vermerk: Pater Gabriel van Roth. Vgl. in dieser Sache auch das Schreiben des Balzner Pfarrers Leonhard Hollweck an Regierungschef Josef Hoop vom 13. November 1934, in welchem dieser um Fürsprache bei Fürst Franz I. für die Niederlassung der Salettiner auf Gutenberg ersuchte (LI LA RF 148/268/003).  
[2] Das angesprochene Schreiben findet sich nicht in der Akte mit der Signatur LI LA RF 148/268.
[3] Von 1920-1935 führten die Anbeterinnen des Blutes Christi eine Niederlassung auf Gutenberg. 1873-1920 hatten die Schwestern der Christlichen Liebe ein Töchterpensionat auf Gutenberg betrieben.  
[4] Es handelt sich um die Herrnhuter Gemeinde auf dem Almbruderhof in Silum.   
[5] Zur Haltung von Fürst Franz I. siehe dessen Schreiben an Regierungschef Josef Hoop vom 15. 11.1934 (LI LA RF 148/268/004).