J. Ew. Perstenfeld ist begeistert von der Aufführung der Symphonie von Josef G. Rheinberger.


Brief J. Ew. Perstenfeld an Johann Peter Rheinberger
17. September 1855, München


Euer Hochwohlgeboren!
Im Voraus einen herzlichen Dank für die gütige Übersendung des 3monatlichen Betrages für die Verpflegung Ihres Sohnes Joseph. Es ist jetzt bezahlt bis zum 15. Dezember 1. Js. Sie sind wirklich recht gütig gegen uns, aber wir werden es auch Ihrem Sohn gewiss an Nichts mangeln lassen, wir lieben ihn ja selbst als wie ein Glied unserer Familie.
In Bezug auf seine Fortschritte und sein Betragen dürfen Sie ausser aller Sorge seyn, er bildet sich in jeder Hinsicht zum wackeren Mann heran. -
Bei dieser Gelegenheit kann ich nicht unberührt lassen, was sich am vergangen Samstag den 15ten dss. Mts. Abends ereignet hat. Es wurde nämlich zur Nachfeyer des hohen Namensfestes unserer Königin in einem grossen Saale grosse musikalische Produktion veranstaltet, wo die von Joseph componirte grosse Simphonie gleich anfangs aufgeführt wurde. -
Hätte ich Sie herwünschen können, um Augen- und Ohrenzeuge gewesen zu seyn, welch herrlichen Triumph Ihr Sohn an diesem Abende gefeyert hat. -
Um 1/2 8 Uhr bestieg dieser junge Mozart bei glänzend beleuchtetem und überfülltem Hause die Dirigententribüne, und mit kräftigem Arme den Taktstock führend dirigirte er das erste grosse Produkt seines schönen Geistes, und nach jeder der 4 Abtheilungen wurde er stürmisch gerufen und applaudirt. -
Herr - ich kann diese rührende Scene nicht weiter beschreiben, denn mein Herz ist noch zu voll von dieser Freude. Mir sind die Freudenthränen gleich einem Bache den Augen entstürzt, ich hätte ihn gerne vor der ganzen Versammlung in meine Anne schliessen und ausrufen mögen: Heil dem Vater der einen so hoffnungsvollen Sohn besitzt. -
Seine Freunde und Gönner, z.B. Herr Professor Schafhäutl, der eben auch hier anwesende Professor Herzog u.v.A. hatten ganz von Freude strahlende Gesichter, und wer lhn auch früher nicht kannte, dem ist jetzt seine Person und sein Name ehrenvoll.
Ich glaube, dass Ihr Vaterherz in einem Freudenmeer geschwommen wäre, und erst das noch viel zartere Mutterherz, das hätte gar zerplatzen müssen. Mehr über Ihren Sohn zu schreiben vermag ich nicht, die Feder versagt mir den Dienst, weil, wie gesagt, mein Herz noch zu voll ist. -

Damit schliesse ich meine Zeilen, und überlasse sie Ihrer freudenvollen Herzenserwägung, überzeugt, dass eine gewichtige Freudenthräne dieselben benetzen wird. -
Ihrer freundlichen Erinnerung mich empfehlend, verbleibe ich mit aller Verehrung Euer Hochwohlgeboren! ergebenster Diener und Freund
J. Ew. Perstenfeld,
Viele herzliche Grüsse von meiner Frau u. Ludwig
München, am 17ten September 1855.

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