Josef G. Rheinberger weilt nun wieder in München und hofft, dass die finanziellen Mittel ausreichen werden.


Brief Josef G. Rheinberger an seine Eltern
10. November 1856, München


Theuerste Eltern!
Damit Sie durch längeres Stillschweigen nicht um mich besorgt werden möchten, schreibe ich das Wenige, was ich zu berichten habe. - In Sevelen ist nach Davids u. des Hr. Oberförsters Heimkehr gleich der Commandant eingeschlafen, und ich langweilte mich bis 10 1/4 Uhr, wo mich der Postwagen erlöste, und mich bis 4 Uhr nach Rorschbach brachte; erst um 10 Uhr fuhr das Dampfboot nach Lindau, welches jetzt prachtvoll aussieht. Wegen der grossen Kälte nahm ich Eisenbahn II. Klasse, und von Augsburg brachte mich der Eilzug in 5/4 Stunden, nämlich um 1/2 11 Uhr nach München. Die Herren Maier, Perfall, Schafhäutl etc. empfingen mich äusserstfreundschaftlich, und - nun sitz ich in meiner alten Wohnung bei Perstenfeld's und habe schon Mehreres componirt. Auch habe ich einen Schüler aus Würzburg in der Harmonielehre zu unterrichten.
Herrn Generaldirektor Lachner habe ich noch nicht zu Hause getroffen. - Ich befinde mich ganz wohl, und hoffe mich mit Gottes Hilfe durchbringen zu können. Ich habe ein 2/3 Klafter Holz zu 9fl und einen warmen Winterrock gekauft (zu 16f1). -
Perstensfelds Ludwig hat das Clarinett=Spielen aufgegeben. Die Frau Oberförsterin wird ihren Hut nächsten Sonntag in Sevelen holen können. Den Toni und David werde ich auch bäldestens befriedigen. -
Unter meinen sonstigen Ausgaben steht auch ein Regenschirrn zu 6fl - dann Handschuhe, Stiefel, Aufenthaltskarte, Notenpapier, Licht etc., so geht es immer fort. -
Was macht der Peter in Chur?
Und alle lieben Geschwister, sowie auch Sie, Theuerste Eltern? Mit den Bestellungen werde ich auch einen Brief schicken, und verharre indess als Ihr dankbarster Sohn
Jos. Rheinberger.
München, 10.11.56.               Viele Grüsse von überallher.

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