Johann Franz Paur [Bauer] berichtet dem Fürsten Johann Adam Andreas von Liechtenstein über Ernteverluste in der Herrschaft Schellenberg und damit verbundener Not der ärmeren Bevölkerung. Er hofft, dass zumindest die Weintrauben eine gute Ernte erwarten lassen.


Durchleuchtigester fürst.

Gnädigester fürst und herr, herr, etc., etc.[1] 

Daß letstens zue spat geliferte vidimus[2] vollget gegenwertiglich hinnach und solle anbey underthanigst unverhallten, das ich den zechenten zue Mauren[3], ob er zwar ein geringes ertraget, in natura beziehen lassen werde, damit, wan dardurch das interesse[4] nit notorie[5] vermerkht wurde, sollicher andere mahl verlichen werden könte. Die frucht will allerdings nit abschlagen, und die noth bey denn armen underthanen, denen ich nit succurrieren[6] kan, bis zue der ernd noch größer werden. Die traubenblüe lasset sich wohl an, Gott verleiche ferner guetes wetter! Dem verlauth nach werden des herrn grafen von Hochenembs[7], excellenz, negste wochen widerumb nacher Wien[8] gehen, dem end mit Vaduz[9] zuezuewarthen. Wormit zue fürstlichen hochen hulden und gnaden mich underthänigst empfehlendte verpleibe.

Ewr hochfürstlich durchlaucht.

Feldtkirch[10], den 10. Julii 1699.

Underthanigst, threw, gehorsamster diener.

Johann Franz Paur[11], manu propria[12]. /

[Rubrum]

Præsentatum[13], den 19. Julii 1699.

Verwalter zu Schellenberg.

 

[Adresse]

Dem durchleuchtigesten fürsten und herrn, herrn Johann Adam Andreas, deß Heyligen Römischen Reichs[14] fürsten und regierern deß hauses Liechtenstein von Nickolspurg[15], in Schlesien[16] hertzog zu Troppaw[17] und Jägerndorff[18], der römischen kaiserlichen mayestät[19] würkhlichen geheimen rath, ritteren deß Guldenen Flüsses[20] und cammerer. Ihro hochfürstlichen durchlaucht, meinem gnädigsten herrn.

Wien.

Franco ½.[a]

 


  

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[1] Johann Adam I. Fürst von Liechtenstein (30. November 1656–18. Juni 1712). Vgl. Constant von Wurzbach, Biographisches Lexikon des Kaiserthums Österreich, Bd. 15, Leon – Lomeni, L. C. Zamarski, Wien 1866, S. 127.

[2]beglaubigte Abschrift einer Urkunde.

[3]Mauren (FL).

[4]Zinsen.

[5]anzeigend.

[6]helfen.

[7] Jakob Hannibal III. Friedrich Graf von Hohenems (7. März 1653–12. August 1730, Wien) war ein Sohn von Franz Wilhelm I. (1627–1662) und Eleonora Katharina, geb. Landgräfin von Fürstenberg, (gest. am 18. Februar 1670). Er war verh. mit Anna Ämilia Freiin von Schauenstein-Ehrenfels (1652–1734). Kinder: Hermann Ferdinand Bonaventura (1678, bald gest.), Ämilia Antonia Carolina (Charlotta) (1680–1752), Anna Maria (geb. 1680), verh. mit Johann Adam Freiherr von Behlen, Eleonora Katharina (getauft am 12. März 1682 in Schaan, bald gest.), Maria Franziska (geb. 1682, bald gest.), Maria Anna (geb. 1684, bald gest.), Franz Wilhelm Rudolf (1686–1756), Josef Leopold (1691, bald gest.), Bartholomaeus Ulrich (gest. 1692). Vgl. Joseph Bergmann, Die Reichsgrafen von und zu Hohenembs in Vorarlberg. Dargestellt und beleuchtet in den Ereignissen ihrer Zeit, vom Jahre 1560 bis zu ihrem Erlöschen 1759. Mit Rücksicht auf die weiblichen Nachkommen beider Linien von 1759–1860, Wien 1860, S. 112; Wurzbach, Bd. 9, Hibler – Hysel, Wien 1863, S. 189; Johann Heinrich Zedler, Grosses vollständiges Universallexicon aller Wissenschaften und Künste, Bd. 13, Hi – Hz, Leipzig 1739, S. 526.

[8]Wien (A).

[9]Vaduz (FL).

[10]Feldkirch (A).

[11]Johann Franz Bauer [Paur] (gest. 1715/16) studierte ab 1670/71 Rechtswissenschaften in Freiburg im Breisgau. Als Dr. beider Rechte machte er Karriere als Oberamtmann des Reichsstifts Rottenmünster und ab 1688 in hohenemsischen Diensten. Von 1699 bis 1715 war er fürstlich liechtensteinischer Amtmann und Verwalter der Herrschaft Schellenberg. Ab 1700 veranlasste er den Kauf zweier Brandstätten in Feldkirch und ließ auf diesen das fürstlich liechtensteinische Haus errichten, in welchem er bis zu seinem Tod wohnte. Vgl. Brief an den fürst-liechtensteinischen Buchhalter Nowak betreffend den Nachlass von Johann Franz Paur und das Haus in Feldkirch, Konz., Schloss Judenau 1716 August 3, SL-HA, unfol.; sowie die gesamte Verwaltungskorrespondenz Paurs mit Fürst Johann Adam Andreas von Liechtenstein von 1699 bis 1712, SL-HA 2609, 2010, 2611; Karlheinz Burmeister, Johann Franz Bauer, in: Historisches Lexikon des Fürstentums Liechtenstein, Projektleiter: Arthur Brunhart; Red.: Fabian Frommelt ...[ et al.], Zürich 2013, Bd. 1, S. 72.

[12]eigenhändig.

[13]Vorgelegt.

[14] Heiliges Römisches Reich war die offizielle Bezeichnung für den kaiserlichen Herrschaftsbereich vom Mittelalter bis zum Jahre 1806. Der Name des Reiches leitet sich vom Anspruch der mittelalterlichen Herrscher ab, die Tradition des antiken Römischen Reiches fortzusetzen und die Herrschaft als Gottes Heiligen Willen im christlichen Sinne zu legitimieren. Zur Unterscheidung vom 1871 gegründeten Deutschen Reich wird es auch als das Alte Reich bezeichnet. Vgl. Klaus Herbers, Helmut Neuhaus, Das Heilige Römische Reich – Schauplätze einer tausendjährigen Geschichte (843–1806). Böhlau-Verlag, Köln-Weimar 2005.

[15]Nikolsburg (Mikulov), Stadt (CZ).

[16]Schlesien ist eine Region in Mitteleuropa.

[17]Troppau (Opava) war die Residenzstadt des ehemaligen Herzogtums Troppau (CZ).

[18] Jägerndorf (Krnov) war die Residenzstadt des ehemaligen Herzogtums Jägerndorf (CZ).

[19]Leopold I. (9. Juni 16405. Mai 1705) aus dem Hause Habsburg, war von 1658 bis 1705 Kaiser des Heiligen Römischen Reiches sowie König von Ungarn (ab 1655), Böhmen (ab 1656), Kroatien und Slawonien (ab 1657). Vgl. Kerry R. J. Tattersall, Leopold I., Wien 2003.

[20] Der Orden vom Goldenen Vlies (Flüss) ist ein burgundischer Ritterorden.

 


[a] Über der Adresse ist ein rotes Lacksiegel aufgedrückt.