Die Salettiner ersuchen die Regierung um die Bewilligung zur grundbücherlichen Übertragung der Liegenschaft Gutenberg


Schreiben der Missionsanstalt Untere Waid der Salettiner an Regierungschef Josef Hoop [1]

8.1.1935, Mörschwil

Hochverehrter Herr Regierungschef!

Wir haben die Freude, Ihnen mitteilen zu können, dass der Kauf des Institutes "Gutenberg" und der angrenzenden Liegenschaft der Schwestern [2] endlich glücklich zustande gekommen ist. Die Gefahr der Ansiedlung von Leuten die fast bei der ganzen Bevölkerung unerwünscht waren [3], ist somit auch endgültig behoben. Auch die Schwestern sind befriedigt, aber es hat unserseits ziemlich viel Nachgiebigkeit erfordert, um die Gemeindebehörde befriedigen zu können.

Wir haben dem Verlangen der Gemeinde, 65'000 Fr. zu zahlen, weil die Brudergemeinde [4] scheint's soviel angeboten hatte, nachkommen müssen. Obschon bei der Abstimmung, das Institut uns zu verkaufen, auf ungefähr 300 nur sieben Stimmen dagegen waren, verbreitete sich gleich nachher das Gerücht in der Gemeinde, die Herrenhuter seien abermals bei einigen Gemeinderatsherren gewesen und hätten ein Angebot von Fr. 70'000, ja sogar 75'000 gemacht. Telephonisch von dieser Lage in Kenntnis gesetzt, begaben wir uns unverzüglich nach Balzers und nach ziemlich schwierigen Unterhandlungen wurde der Kaufvertrag dann am 4. Januar 1935 unterzeichnet. [5] Es besteht die berechtigte Hoffnung, dass Ruhe und Friede wieder in die Gemeinde einkehren wird.

Wir machen Ihnen auch deswegen diese Angaben bekannt, weil im Kaufvertrag auch folgende Klausel vorhanden ist: „ Die Gemeinde Balzers als Verkäuferin bewilligt die grundbuchliche Übertragung der Liegenschaft ins Eigentum des Missionsvereins „Untere Waid" als Käuferin ab 1. Juli 1935 unter Vorbehalt der Bewilligung der fürstlichen Regierung, in Vaduz."

Wir hoffen auf Gewährung dieser Bewilligung der Fürstlichen Regierung, da seine Durchlaucht Der Fürst schon die Verlängerung der früheren zinslichen Stundung auf fünf weitere Jahre zu verlängern geruhte. [6]

Wir danken seiner Durchlaucht dem Fürsten herzlich für diese Wohltat und auch Ihnen für Ihre wohlwollende Vermittlung.

In aller Hochachtung verbleiben wir

Ihre ergebenen

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[1] LI LA RF 148/268/010. Handschriftlicher Vermerk: Bezugsakt Zl. 145/186.
[2] Es handelt sich um die Anbeterinnen des Blutes Christi.
[3] Angesprochen ist damit die Herrnhuter Gemeinde auf dem Almbruderhof in Silum.
[4] Vgl. Anm. 3.
[5] Der Kaufvertrag zwischen der Gemeinde Balzers und dem Missionsverein Untere Waid betreffend die Liegenschaft Gutenberg mit 2878 Klafter ist auf den 3.1.1935 datiert (LI LA RF 148/268/008, vgl. ferner das Zusatzprotokoll zum Kaufvertrag vom 7.2.1935 (LI LA RF 148/268/014)). Die Salettiner übernahmen gemäss Ziff. 2 des Kaufvertrages die auf der Liegenschaft zu Gunsten des regierenden Fürsten von Liechtenstein lastenden Schulden in der Höhe von 25'000 Franken.     
[6] Siehe das Schreiben von Kabinettsdirektor Josef Martin an die Regierung vom 27.11.1934 (LI LA RF 148/268/006).